•2. März 2010 •
Jesus kommt gerade von einer großen Veranstaltung wieder. Heute war wieder einer dieser Tage, an dem Jesus zu vielen Menschen gesprochen hat. Und jetzt ist er müde vom vielen Reden und möchte sich einfach nur noch ausruhen. Die Müdigkeit ist ihm ins Gesicht gezeichnet. Das war wieder ein langer und anstrengender Tag für ihn. Ich sehe es genau. Jesus braucht jetzt Ruhe. So geht es mir auch immer nach einem langen Arbeitstag. Oh, entschuldigt Kinder. Ich hab mich noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Holzi, der Holzwurm. Ich wohne in einem der Boote hier am See. Hach, es ist ein schönes Leben. Das kann ich euch sagen. Die Sonne scheint mir auf den Bauch, das Wasser plätschert leise an den Wänden und der Wind streift angenehm meinen Körper. Ach, ist das schön heute. Alles ist so warm und friedlich.
Oh, jetzt passiert was. Jetzt kommt Bewegung in die Menge. Was macht Jesus denn da? Er kommt auf eins der Boote hier am Ufer zu. Er kommt doch nicht etwa… Doch. Tatsächlich. Er kommt in meine Richtung? Das kann doch nicht sein. Er kommt tatsächlich und steigt jetzt in mein Boot ein. Mein zu Hause, mein Esszimmer? Ich hab doch gar nicht geputzt. Überall liegen noch die Sägespäne vom Mittagessen rum. Und… Puh, er geht an den Spänen vorbei nach hinten. Gerade noch gut gegangen. Was soll Jesus denn davon halten, wenn hier alles so unordentlich ist? Jetzt kommen sogar noch mehr Leute ins Boot. Wer sind die vielen Leute? Ah. Den da drüben. Den kenne ich. Das sind doch die Schüler von Jesus. Die Zwölf folgen ihm überall hin um von ihm zu lernen. Fast so wie bei euch in der Schule, nur viel praktischer. Die sind immer zusammen unterwegs von Stadt zu Stadt.
Oh ja, jetzt geht es wieder los. Ab auf den See. Ach wie ich das liebe. Das gibt immer so ein angenehmes Kribbeln im Bauch, wenn wir mit voller Geschwindigkeit über die Wellen düsen. Was ein toller Tag. Strahlend blauer Himmel und wir fegen über den See. Der Wind wird hier draußen etwas stärker und wir immer schneller. Yippie, yeah, schneller, schneller… Und Jesus schläft. Das gibt’s ja gar nicht. So tolles Wetter heute, wir werden immer schneller und schneller – und Jesus schläft. Liegt da einfach so hinten im Boot und schläft. Ok, war auch ein anstrengender Tag. Aber trotzdem. Was dem alles entgeht. Ich genieß die Fahrt jedenfalls, während er schläft. Schneller, schneller…
Doch was ist das? Eine Wolke? An meinem blauen Himmel? Ach ne, die ist ja nur ganz klein und weit entfernt. Von der haben wir nichts zu befürchten. Oder doch? Die Leute hier aus dem Boot machen einen etwas verstörten Eindruck. Die laufen immer auf und ab. Was sagen die? Mensch, jetzt bleibt doch mal stehen. Ist das doch etwas Schlimmeres? Wartet mal kurz. Da sagt grade einer was. „Blauer Himmel … Wolke am Horizont … “ Mensch ich kann nichts hören. Ich kriech mal schnell etwas näher. „Die Wolke sieht bedrohlich aus. Die wird immer größer. Die wächst in einer Geschwindigkeit, das hab ich noch nicht erlebt. Und Jesus da hinten schläft noch. Sollen wir ihn wecken? Was meinst du Andreas?“ „Nein, lass ihn schlafen. Du machst dir viel zu viele Sorgen. Wie immer. Schon zuletzt hast du ständig mit deinen Sorgen genervt. Es ist doch nur eine weit entfernte Wolke.“ Puh, da bin ich aber beruhigt. Ich dachte schon das würde etwas Schlimmeres werden. Na, auf den Schock fresse ich einfach noch ein wenig hier den Schiffsrumpf auf. Boah, ne. Lieber wieder weiter hinten. Das Holz hier vorne schmeckt ja schrecklich. Davon bekomm ich immer Blähungen. Igitt igitt. Das kann ich nicht riskieren, wenn Jesus hier ist. Wenn es nur seine Schüler wären, ok. Aber bei Jesus? Nein, das geht gar nicht.
Mjam, mjam. Das war lecker. Ich kriech mal wieder an Deck. Hilfe, wo ist mein blauer Himmel hin? Ist es schon Nacht? Nein, das kann eigentlich nicht sein. Ich hab mir ja grade erst meinen Nachmittagssnack geholt. Eben war es noch hell, und jetzt ist der Himmel schwarz wie die Nacht. Und irgendwie schaukelt mir das Boot jetzt doch etwas zu stark. Boah, langsam wird mir aber echt schlecht von dem auf und ab. Die Leute hier machen auch ein ängstliches Gesicht. Sogar Andreas ist schon ganz grün angelaufen. Und die schreien immer lauter? Ich glaube langsam wird es echt gefährlich. Die Wellen werden immer höher und viele schwappen schon ins Boot hinein. Hilfe, wie sollen wir da nur wieder rauskommen? Wir werden untergehen, ans Land schwimmen, oder noch schlimmer sogar sterben. Alle schreien und versuchen mit Eimern das Wasser aus dem Boot zu schöpfen. Die sehen alle so erschreckend ängstlich aus. Jeder Eimer den sie raus schöpfen kommt bei der nächsten Welle um ein vielfaches wieder ins Boot. Das ganze Schiff ist schon auf den Beinen. Moment, was ist das? Ist Jesus tot? Er liegt da noch immer hinten im Boot. Nein, er atmet noch. Das gibt’s doch nicht. Wir werden hier sterben und Jesus schläft immer noch? Wie geht das denn?
Jetzt endlich kommen die Leute mal auf die Idee Jesus zu wecken. Wird auch langsam mal Zeit, dass der Chef den Untergang miterlebt. Andreas kommt und schüttelt Jesus. Nix passiert. Er schüttelt ihn nochmal. Ja, jetzt schlägt Jesus die Augen auf. Endlich hilft er beim Schöpfen damit wir nicht sinken. Was macht er denn jetzt? Er reibt sich erst einmal die Augen und streckt sich. Das geht doch nicht? Wir werden hier sterben und der gähnt erst einmal. Was soll das denn?
Endlich steht Jesus auf und kommt nach vorne. Ah, jetzt geht er endlich zum Eimer. Mensch Jesus, was machst du denn? Der Eimer ist rechts von dir. Rechts. Nicht Geradeaus. Siehst du den etwa nicht? Bist du blind? Jesus geht tatsächlich an dem Eimer vorbei. Ich glaub es ja nicht. Was macht er denn jetzt? Er hebt die Hände? Tolle Sache, werden die Handinnenflächen also auch nass. Wwwwas sagt Jesus jetzt? „Schweig und sei still!!!“ Und alles ist ruhig. Der Wind, die Wellen, sogar die kreischenden Leute im Boot. Es entsteht eine gespenstische Ruhe. Was? Sogar der Himmel klart auf. Die Wolken verziehen sich und mein blauer Himmel kommt wieder zum Vorschein. Uff. So verdattert hab ich die Leute noch nie gesehen. Die sind ja völlig sprachlos. Mehr als ein Stottern bringt da keiner mehr zu Stande. „Aaabbbberrrrr Jesus. Wwwaaasssss… Aaabbbberrrrr…“ Und Jesus steht einfach nur cool und lässig an der Schiffswand. „Wovor habt ihr solche Angst? Ich bin doch bei euch? Vertraut ihr mir denn immer noch nicht? Nach all dem was ihr bisher über mich wisst?“ Boah, krass, Jesus. Also wenn ich jetzt reden könnte, iiiiiiccccchhhhh würde stoooottttttern.
(Eine Kindergeschichte zu dem Bibeltext in Markus 4,35-41 © by Michael Welscher 2010)
Veröffentlicht in Sonstíges